Spät dran
Es hat Kraft gekostet nach Borkum zu gelangen. Wir liegen den ersten Tag über erschöpft in der Koje und bemühen uns, das gesamte nasse Bettzeug und die Kleidung wieder halbwegs trocken zu bekommen. Aber was einmal in Salzwasser getränkt war trocknet kaum je wieder richtig.
Unsere zwei Freunde aus Norwegen, die wir auf Helgoland kennen gelernt haben, tauchen auf. Sie kommen aus Cuxhaven und haben ihr neues Großsegel dabei, das Jenny für sie entdeckt hat. Bisher waren sie nur mit Vorsegel unterwegs. Nachdem wir das Groß montiert haben fürchte ich insgeheim, dass wir die beiden nun nicht mehr so bald wieder sehen werden. Ihr Boot ist schlicht und ergreifend schneller.
![]() |
| Ruhig inmitten der Wellen |
Wir versuchen das Beste aus der erneuten Zwangspause zu machen, versuchen es nicht als solche zu sehen. Wir füllen unsere Batterien auf, stopfen uns mit Torte voll und genießen einen goldenen Herbsttag. Besorgen Proviant, trinken Unmengen an Rotwein mit den Norwegern und bereiten das Boot für den nächsten Schlag vor. Es fällt uns schwer eine Balance zu finden, zwischen dem Anspruch die Reise zu genießen und ein Stück weit im Moment zu leben und dem Druck, der mit dem zunehmend schlechter werdenden Wetter auf uns lastet. Bereits in Cuxhaven waren wir von der baldigen Schließung des Hafens bedroht. Auf Helgoland wurden die Steganlagen am Tag vor unserer Abreise demontiert und hier in Borkum werden uns die Stromkästen direkt vor der Nase entfernt. Die Zeichen sind deutlich: Hier in Deutschland ist die Zeit des Segelns zu Ende. Nicht um sonst sind wir überall praktisch die Letzten und Einzigen. Wir haben das Wetter jetzt kennengelernt. Es ist unberechenbar und ungezähmt und die Seefahrt darin ist harte Arbeit. Wir wollen weiter Richtung Süden, keine Frage aber wie viel Energie können und wollen wir aufbringen um weiterzuhasten? Und wäre es das überhaupt wert. Wir sind niemandem verpflichtet und es gibt keinen Zeitplan einzuhalten.
Für eine Weile denken wir an die Option weiter in die Ems hineinzufahren und dann von Delfzijl die Einfahrt zu den niederländischen Kanälen einzuschlagen. Bis Rotterdam könnten wir durchs Binnenland fahren, ohne den Mast legen zu müssen. Die Ruhe und Entspannung, die wir uns davon versprechen ist verlockend. Aber wir zögern. Die unzähligen Brücken und Schleusen machen diese Route auch zu einer langwierigen. Für solche Zugeständnisse sind wir noch nicht bereit und das zur zweiten Hälfte der Woche sich öffnende Wetterfenster trifft die Entscheidung für uns. Pegasus wird am Mittwoch wieder in See stechen.



Kommentare
Kommentar veröffentlichen