PJ/6 "Noord Holland"
Samstag, 9. November, 1100. Wir donnern unter vollen Segeln und mit laufender Maschine das Seegatt von Texel hinaus auf die Nordsee. Von jetzt an haben wir noch circa fünf Stunden, in denen der Strom uns Richtung Ijmuiden schiebt. Ein ausreichendes Fenster solange wir nicht trödeln. Die Devise heißt Geschwindigkeit.
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| Schwierig, dem Wetter zu trauen |
Als wir vor zwei Stunden in Den Helder ablegten, war bereits klar, dass der schwache Wind alleine uns wahrscheinlich nicht schnell genug nach Süden bringen würde. Hier draußen bestätigt sich diese Überlegung. Zu hoch muss Pegasus am Wind laufen, um direkten Kurs nehmen zu können. Zu langsam ist sie dabei. Wir müssen mindestens 5 Knoten schnell sein, um vor dem Kippen des Stromes in Ijmuiden zu sein. Also lassen wir, zusätzlich zum Vollzeug, weiter den Motor laufen. Nur so schaffen wir genug Höhe und Geschwindigkeit. Motorsegeln fühlt sich ein wenig nach schummeln an, jedoch erweitert es unsere Reichweite und darauf kommt es an. Lieber den Seglerstolz runterschlucken als sich endlos an der Nordsee aufzureiben.
Trotz des ruhigen und schönen Wetters sind wir angespannt. Am Himmel stehen nur scharf umrissene Cumuluswolken und zeugen von gutem Wetter. Die See leuchtet in Jadegrün und Silberblau und die Sonne wärmt die Szenerie auf ein erträgliches Maß. Doch wir wissen, wie schnell sich alles ändern kann. Wir wissen, wie nah Freude und Verzweiflung auf der Nordsee beieinander liegen. Also treiben wir Pegasus weiter an, mit allem was uns zur Verfügung steht. Um 1200 sind wir auf der Höhe von Petten und haben damit die Hälfte der Strecke hinter uns gebracht. Langsam stellt sich bei uns so etwas wie Entspannung ein. Jetzt scheint alles in trockenen Tüchern zu sein. Wir machen gute sechs Knoten Fahrt und haben den Strom noch für vier Stunden auf unserer Seite. Das wird reichen. Und es reicht. Als wir kurz nach 15 Uhr in Ijmuiden festmachen scheint sogar noch die Sonne und wir fallen ausnahmsweise mal nicht völlig erschöpft in die Kojen. Wir haben heute nur einen kleinen Schlag geschafft, aber auch das hat uns voran gebracht. Und vor allem hat es nicht unsere gesamte Energie verschlungen. Besser kleine Sprünge, als überhaupt keine.



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