Hafen der sinkenden Boote
Über Ijmuiden gibt es nicht viel zu sagen. Der Hafen ist einer dieser Nicht-Orte wie man sie irgendwo und nirgendwo finden kann. Aber ich will nicht ungerecht urteilen. Die Marina ist modern und bietet alle Annehmlichkeiten einer solchen. Die Hauptattraktivität besteht zum einen daraus, dass man schnell und leicht von See hinein und wieder hinaus kommt und zum anderen aus der Nähe zu Amsterdam. Daraus ergibt sich wohl auch das hohe Liegegeld.
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| Ein Hafen... |
An Weitersegeln ist die nächsten Tage nicht zu denken, also besuchen wir Ijmuiden. Doch viel zu finden ist dort nicht. Der Ort ist schlicht und funktional, bietet die Grundversorgung und sonst nicht viel. Eine Mischung aus Industriestandort und Vorort. Er kann der herbstlichen Tristesse nicht standhalten. Kalt und unnahbar wirkt selbst die Einkaufsmeile.
Wir nutzen den zweiten großen Vorteil von Ijmuiden: Den Direktbus nach Amsterdam. Hauptsache wir können uns für ein paar Stunden davon abhalten ununterbrochen das Wetter zu beobachten. Und das Glück ist auf unserer Seite. Wir erwischen einen goldenen Herbsttag und verbringen ihn mit allem was dazu gehört in einer der schönsten Städte der Welt. Seit langem genießen wir wieder den Trubel und die Lebhaftigkeit einer Großstadt.
Am Freitag den 14. um 0300 haben wir das Boot wieder seeklar und laufen aus. Doch bereits im Vorhafen fällt die Positionsbeleuchtung aus. Ernüchtert kehren wir unverrichteter Dinge in unsere Box zurück. Das herrschende Wetter macht jeden Sprung zu einer neuen Überwindung. Und jeder Aufbruch ist mit Anspannung und minutiöser Planung verbunden. Aber eine defekte Beleuchtung ist nichts, was man bei einer Nachtfahrt rechtfertigen kann. Wie so oft wird unser Plan von äußeren Umständen bestimmt. Also zurück zum Ausgangspunkt. Wieder sitzen wir in der Kajüte und hören die im Wind singenden Masten. Am nächsten Tag reparieren wir den korrodierten Kontakt. Samstag Nachmittag werden wir einen erneuten Versuch wagen weiterzukommen.
Am letzten Tag in Ijmuiden entdecken wir in einer Ecke des Hafens ein gesunkenes Fischerboot. Eine Benzinlache breitet sich bereits aus und glitzert wie ein Regenbogennimbus um das Boot herum. Irgendwie hat es etwas Magisches und gleichzeitig Erschreckendes ein Boot knapp unter der Wasseroberfläche schweben zu sehen. Und ich erinnere mich, vor Jahren waren wir bereits hier und auch damals war ein Fischerboot gesunken. Ich weiß nicht wie ich es deuten soll. Ist es ein schlechtes Omen kurz vor dem Auslaufen eine gesunkenes Boot zu entdecken oder will es uns ermahnen hier nicht länger zu verweilen. Wir informieren die Hafenbehörde und kontrollieren unsere Seeventile.






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