Die Vorboten des Winters

 Scheveningen wird uns acht Tage festhalten. Eine Tatsache die weder beabsichtigt noch erwartet wurde. Das Wetter lässt uns wieder einmal nicht weiter. Doch ist es hier nicht trostlos. Wir liegen im "Tweede Haven" und um uns herum pulsiert das Leben wie lange nicht mehr. Gegenüber, am Kai, reihen sich Restaurants an Kneipen und Imbissbuden. Ausflugsboote verlassen im Stundentakt den Hafen oder kommen zurück. Scheveningen ist vor allem ein Badeort, aber auch im Winter tummeln sich hier Gäste.



Das Wetter wirkt wie eine Strafe. Segeln wird unmöglich. Kälte, Regen, Hagel, Graupel. Jede Variante aus Nass und Kalt sucht uns heim. Der Trubel der Stadt kommt uns entgegen, lockt uns aus der Kajüte, lenkt uns ab, belebt uns. Auch Den Haag ist nur eine Tramfahrt entfernt. Wir schlendern die  Schaufenster entlang, kaufen uns die wärmste Unterwäsche die wir finden können und lassen uns ansonsten wie eine Flipperkugel durchs Gedränge schubsen. Erst, als uns die Füße wehtun machen wir uns auf den Rückweg.



Im Laufe der Woche besuchen uns auch enge Freunde. Es tut gut die beiden wiederzusehen - mehr als ich erwartet hätte. Eigentlich könnte uns ihr Besuch verzweifeln lassen. Sie kommen in drei Stunden spontan aus den Ruhrgebiet angefahren. Unsere wochenlange Seereise wirkt daneben fast mickrig. Es fühlt sich plötzlich an, als wäre die Ferne und Fremde noch ewig weit weg. Aber ich freue mich darüber und man darf nicht so töricht sein, eine Segelreise mit einer Autofahrt zu  vergleichen. Es mag schnellere Fortbewegungsarten geben, aber sicher keine bessere. Wir verbringen zu viert einen tollen Abend, gehen seit langem wieder in ein Restaurant und lassen uns am nächsten Tag vom Eisregen völlig durchnässen. Bis auf die Knochen werden wir nass beim Spaziergang zum Leuchtturm. Doch das war es allemal wert, denn von hier aus lässt sich der Brutalität der Nordsee am besten beiwohnen.

Irgendwie vergeht trotz des miesen Wetters und trotz der Tatsache, dass wir viel Zeit in der Kajüte verbringen, die Zeit in Scheveningen schnell. Obwohl es draußen auf See nicht besonders einladend aussieht, schmieden wir einen Plan, der uns trotz des Starkwindes weiterbringen soll. Wir besuchen noch einmal den Markt in Den Haag, bevorraten uns mit Obst und Gemüse und bunkern Wasser und Diesel. Samstag Abend sind wir soweit vorbereitet, dass wir Anfang der neuen Woche mit einem kleinen Wetterfenster nach Hoek von Holland übersetzen können. Vielleicht wird's ein Zwischenstopp, vielleicht nehmen wir von dort den Weg durchs Binnenland...


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