La joie de vivre

 Frankreich empfängt uns mit offenen Armen. 14 Grad und glänzender Sonnenschein lachen uns ins Gesicht. Zum ersten Mal seit unserer Abfahrt können wir langgestreckt in der Plicht sitzen und einen Drink genießen während wir seelig in die Sonne blinzeln. Zum ersten Mal seit unserer Abfahrt spüren wir wieder die Nonchalance des Lebens an Bord. Wir decken uns mit Käse, Pasteten, Salami, Baguette und Rotwein ein und preisen die Grand Nation als das gelobte Land. Für einen Nachmittag sind Kälte, Starkwind und das Gefühl etwas hinterher zu laufen, was längst nicht mehr einzuholen ist, vergessen.

Oh là là

Das gute Wetter bleibt uns nur den einen Nachmittag treu. Starker Wind und Nieselregen setzen ein und zwingen uns dazu viel Zeit in der Kajüte zu verbringen. So ist das oft in den Häfen. Wäre das Wetter anders würden wir gar nicht im Hafen liegen sondern draußen auf See weiter nach Süden jagen. Es ist also keine verschwendete Zeit, sondern die Zeit in der wir ausruhen und die nächsten Etappen planen können. 

YCMN

Wir verbringen fünf ruhige Tage in Dunkerque. In Frankreich angekommen zu sein fühlt sich nach einem Sieg an und wir haben keinen Grund lange Gesichter zu ziehen. Die Stadt selbst ist modern und lebendig und uns weht ein Hauch Sozialismus entgegen. Vielleicht ist es hier nicht genauso ordentlich und aufgeräumt wie in den Niederlanden, ja es ist definitiv schmuddelig aber in welcher anderen Stadt kann man noch rund um die Uhr gratis Bus fahren?

Alles kommt uns nach Holland und Belgien wieder bezahlbar vor. Wir schlagen uns den Bauch mit französischen Tacos voll, bestaunen die völlig außer Kontrolle geratene Bauwut im ehemaligen Werftgelände und spazieren bis zum Strand von Malo-les-Bains.
Der Riesenoktopus

Die Promenade hier bildet den Kern des Tourismus von Dunkerque. Einige wunderschöne Villen im Bäderstil stehen hier mit jeder Menge verspielter Elemente, die mitunter sogar orientalische Einflüsse erkennen lassen. Ein starker Gegensatz zum modernen Zentrum. Der Strand selbst scheint endlos, die See ruhig. Aus den Seekarten wissen wie jedoch, dass dort draußen Unmengen von Wracks liegen die stumm von einer anderen Zeit zeugen.

Unsere Zeit in Dunkerque nähert sich dem Ende. Es wird Zeit sich der nächsten Herausforderung zu stellen. In absehbarer Zeit wird sich kein optimales Wetterfenster bilden um durch die Meerenge zwischen Calais und Dover durchzukommen. Doch das ist der Weg den wir gehen müssen. Mit etwas Glück schwächt sich der Wind noch weiter ab, bevor er erneut aufbrist aber mit unangenehmen Seegang werden wir auf jeden Fall rechnen müssen. Unser einziger Trost ist es, dass wir das Unternehmen in kleine Sprünge aufteilen können. Es ist Nippzeit und die Tide im Moment daher besonders schwach. Wenn es möglich ist, dann jetzt. Was hätte wohl Jean Bart, Dunkerques berühmtester Seefahrer und Pirat, zu unserem Vorhaben gesagt?

Den Blick nach Westen gerichtet 


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