Belgisches Intermezzo

 Auch wenn uns das Wetter an diesem 4. Dezember freundlich dazu einlädt Meilen zu machen, haben wir längst entschieden diese Einladung auszuschlagen. Wir lassen alle Seewetterberichte links liegen und wenden uns dem Land zu. Brügge zu besichtigen ist einer der wenigen Abstecher, auf die wir es lange abgesehen haben. Nicht nur, dass Brügge mit seiner umfangreich erhaltenen Altstadt ein echter Hingucker ist, es ist auch ein unvergleichliches Beispiel für Gunst und Unbill der Nordsee. Und das können wir uns als von der Nordsee gepeinigte Segler nicht entgehen lassen. Im zwölften Jahrhundert spülte eine Sturmflut eine schmale Bucht aus, sodass die Stadt direkt mit der See verbunden wurde. In Folge dessen konnte Brügge am Seehandel teilnehmen und zu einer mittelalterlichen Handelsmetropole aufsteigen. Es wurde Teil der Hanse und eine der reichsten Städte Nordeuropas. Doch die Nordsee gibt und sie nimmt. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts dann versandete der Zugang zum Meer wieder. Kaufleute und reiche Adelige verließen die verarmende Stadt und Brügge verfiel in einen Dornröschenschlaf. Doch diese Jahrhunderte lange Stagnation bewahrte eben auch Brügges mittelalterliches Erscheinungsbild bis es zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Kulturstadt und später als Weltkulturerbe eine Wiedergeburt durch den Tourismus erfuhr.

Heute ist Brügge wieder eine wohlhabenden Stadt und mit viel Liebe zum Detail hergerichtet. Als Besucher weiß man kaum wohin man den Blick wenden soll, bei all der pittoresken Schönheit. Wir haben nur den einen Mittag, flanieren durch die Gassen und lassen alles auf uns wirken. Nur wenige Städte der Welt erlauben einen umfangreicheren Blick durch die Jahrhunderte. Und dann ist auch noch Vorweihnachtszeit. Alles duftet nach belgischen Waffeln und Glühwein. Es könnte alles kaum stimmungsvoller sein. Wir stoßen mit einem "Brugse Zot" auf das Venedig des Nordens an und wenden uns wieder der See und all ihren Verheißungen zu.



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