PJ/2 "Elbe"
18. Oktober. Wir gleiten hinaus in die Elbe. Bei Hochwasser wirkt es jetzt beinahe so als würden wir direkt auf die Nordsee hinaus fahren. Endlos weit zeigt sich der Fluss. Doch dieser Eindruck ist trügerisch, rechts und links zum Ufer hin ist nichts als flacher Schlickgrund, der bei Ebbe trocken fällt. Doch wir haben die Zeit genau abgepasst. Der Ebbstrom setzt erst ein und noch ist das Fahrwasser schier grenzenlos.
Neben Frachtschiffen groß wie Kleinstädte lassen wir uns unter Motorfahrt flussabwärts treiben. Wir hangeln uns von Backbordtonne zu Backbordtonne und langsam entfaltet die Gezeitenströmung ihre Kraft. Immer schneller kommen uns die Tonnen entgegen, immer weiter neigen sie sich mit dem Strom, immer länger die Schleppe, die sich in Lee bildet. Pegasus erreicht neun Knoten fahrt. Doch man muss rechtzeitig den Absprung von diesem Förderband finden. Cuxhaven hat vier Häfen und jeder davon hat seine eigene Einfahrt. Von Brunsbüttel kommend ist der Amerika-hafen der erste. Dort liegen die großen Fracht- und Tankschiffe. Dahinter kommt der eigentliche, alte Hafen mit Museumsschiff, Ausflugsbooten und über Schleusen kommt man in eine Marina und den Fischereihafen. Die dritte Einfahrt markiert den Yachthafen. Hier wollen wir rein und natürlich ist dies die kleinste und engste aller Zufahrten. Verpassen wir sie, ist es bei der herrschenden Strömung für ein Boot unserer Größe unmöglich einfach umzudrehen und gegen den Strom anzufahren. Dann bliebe nur noch, sich in den letzten, vierten Hafen zu retten. Aber der ist für die Fähren reserviert und anlegen kann man dort nicht. Wir haben also nur einen Versuch.
Bei Tonne 10 kreuzen wir das Fahrwasser, schlüpfen zwischen den Frachtern hindurch und manövrieren uns nahe an die Hafenmole. Hier wird die Kraft des Stromes direkt sichtbar. Eine stehende Welle zieht sich entlang der gesamten Spundwand. Der Amerika-hafen rast an uns vorbei. Nein, wir rasen an ihm vorbei. Wir nehmen die Drehzahl runter, denn Pegasus fliegt noch immer mit weit über acht Knoten dahin. Aber langsamer werden wir nicht. Schon kommt die zweite Einfahrt näher. Wir lassen den Motor nur noch eingekuppelt bei kleinster Drehzahl laufen um weiterhin manövrierfähig zu bleiben. Wir lassen die Einfahrt des alten Hafens an Backbord liegen. Massen von Menschen stehen an diesem sonnigen Nachmittag dort und betrachten das Treiben der Schiffe und Boote, während wir unter ihren neugierigen Blicken zum ersten Mal hoffen wir wären langsamer. Zögerlich und kaum merklich reduziert sich unsere Geschwindigkeit. Gerade rechtzeitig um kontrolliert nach Backbord in den Yachthafen abdrehen zu können. Wir halten Pegasus nahe an den Dalben, die die Einfahrt markieren um bloß nicht der Betonmauer auf der anderen Seite zu nahe zu kommen aber auch nicht zu nahe um nicht in die Strudel zu geraten, die von ihnen bei dieser Strömung erzeugt werden. Man hatte uns gewarnt das die Einfahrt am besten bei Stillwasser zu machen sei. Aber dann sind wir drinnen und mit einem mal ist das Wasser praktisch völlig ruhig. Wir machen Pegasus fest und sind mit uns völlig im Reinen heute nur diesen kleinen Schlag gemacht zu haben.



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